St. Ursula Kirche in Böel

Die St. Ursula Kirche zu Böel wurde ca. 1230 erbaut. Sie wurde der Heiligen Ursula und den elftausend Jungfrauen geweiht. Der Sage nach wurde die Kirche ausschließlich von Nonnen gebaut. Woher die Sage stammt, ist nicht ganz klar. Möglicherweise hängt sie mit der Namenspatronin St. Ursula zusammen, denn in ihrer Legende sind ebenfalls Frauen die Hauptpersonen: Mit 11 000 Jungfrauen soll sie nach Rom gezogen sein und mit ihnen auf der Heimreise vor Köln den Märtyrertod erlitten haben.

Der Bau der Kirche ist wahrscheinlich auf Betreiben des dänischen Königs entstanden. Im Jahr 1473 schenkte König Christian I. das Patronat dem Kloster Mohrkirchen, woraufhin die Kirche mit all ihren Einkünften dem Kloster einverleibt wurde. Im Zeitraum von 1473 – 1544 wurde der Gottesdienst in der Böeler Kirche durch Mönche des Klosters Mohrkirchen versehen. 1544 wurde das Kloster aufgehoben.

Die Kirche selbst gehört zu den 36 romanischen Kirchen Angelns. Sie ist jedoch in mehreren, zeitlich getrennten Bauabschnitten errichtet worden und vereint Elemente des spätromanischen und des spätgotischen Baustils.



Sie ist ein wuchtiger Backsteinbau mit einem später hinzugefügten kräftigen Turm (ca. 1500), dessen westliche Mauer mit Granitquadern verstärkt worden ist (1750). Die Backsteine im Kirchenschiff sollen von dem Mohrkircher Kloster stammen; als dieser Vorrat erschöpft war, musste man an der Nordwand mit Feldsteinen weiterarbeiten. Bis 1894 war ein Dachreiter auf der Kirche, der bei einem Sturm heruntergerissen wurde An gleicher Stelle wurde dafür ein Schornstein gebaut.


Gegenüber vom südlichen Hauptportal ist das kleine Schindertor (dieses Tor mussten früher die Abdecker und Schinder benutzen, da sie wegen ihres Handwerks als „unrein“ bezeichnet wurden.)


 

Der Kirchturm ist 35m hoch. Die Mauer des Kirchturms ist so dick, dass man in seine Wand eine Wendeltreppe gebaut hat.


Zur Innenausstattung:

Auf dem aus Ziegeln gemauerten Altar (4,75m hoch) steht der dreiteilige Altaraufsatz aus dem Jahre 1649. Die Holzarbeiten sind eine stilistische Mischung aus Renaissance und Barock. In der Mitte befindet sich ein Bild des Abendmahls, nach einer Vorlage Albrecht Dürers. An der linken Seite befindet sich die Abbildung Moses mit den Gesetztafeln und auf der rechten Seite Christus als Salvator mundi.

Die Kanzel der Böeler St. Ursula-Kirche an der südlichen Chorbogenwand stammt aus den Jahren 1604-1620. Kunsthistorisch ist sie dem Umkreis des Flensburger Holzbildners Heinrich Ringering als Angeliter Kanzeltypus zuzuordnen, die genaue Herkunft ist fraglich. Sie ist mit Schnitzereien versehen, die Szenen aus dem Neuen Testament darstellen.



Das alte Harmonium der Kirche wurde 1868 durch Einbau der Marcussen-Orgel Apenrade ersetzt.





Die Triumphgruppe entstand im 15. Jahrhundert und war bis 1911 an der Nordwand untergebracht.






Der Taufstein kommt aus Gotland und wurde ca. 1240 hier aufgestellt. Vermutlich hat der Taufstein in ältester Zeit in Eingangsnähe der Kirche gestanden, später wurde er in den Mittelpunkt des Chorraums gerückt bevor er seinen heutigen Standort an der Nordwestecke des Chors erhielt. Die Messingschale stammt aus dem Jahr 1758.



Nicht mehr vorhanden ist der „Flaruper Stuhl“ (war in der Verlängerung der Empore angebracht – 1955 abgerissen) und „Christus im Elend“ eine Eichenschnitzerei (dem Landesmuseum ausgeliehen).

Die beiden Stahlglocken aus dem Jahre 1921 und 1922 tragen die Inschrift: „Lehre“ und „Mahne“. Sie ersetzen zwei Bronzeglocken aus dem Jahre 1840, die 1917 aus Kriegserfordernissen abgegeben werden mussten und zerstört wurden.



Es gehören zur Kirche:

Die Leichenhalle, erbaut 1972. Ihr angegliedert ist das Friedhofstor von 1776.

Das Pastorat wurde 1874/75 erbaut, nachdem das alte reetgedeckte Pfarrhaus von 1645 infolge Blitzschlags abgebrannt war. 2005 wurde das Pastorat von Grund auf saniert.

Das Bonhoefferhaus, benannt nach dem Pfarrer Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbrück hingerichtet wurde, ist 1978 erbaut worden. Dieses Haus ist Begegnungsstätte für viele verschiedene kirchliche Veranstaltungen.

Der Ehrenfriedhof wurde 1921 errichtet und 1950 mit dem Kreuz und den Gedenktafeln der Gefallenen beider Weltkriege in die heutige Anlageform gebracht.